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Digitale Medien in Betrieben – heute und morgen

15.12.2020

Wie schnell verändert sich der Einsatz digitaler Medien im Betriebsalltag sowie in der Aus- und Weiterbildung in den einzelnen Branchen und unterschiedlichen Betriebsgrößen? Wo liegen die Herausforderungen und welchen Handlungs- und Modernisierungsbedarf gibt es? Vier Jahre nach der ersten Studie liefert eine Folgeuntersuchung Antworten auf diese und weitere Fragen.

Digitale Medien in Betrieben – heute und morgen

2019 wurde im Auftrag des Bundesministeriums für Bildung und Forschung von Kantar und dem Forschungsinstitut Betriebliche Bildung (f-bb) in Zusammenarbeit mit dem Bundesinstitut für Berufsbildung (BIBB) die zweite Betriebsbefragung „Digitale Medien in Betrieben – heute und morgen. Eine Folgeuntersuchung“ durchgeführt.

Ziel der Befragung war die Schaffung einer repräsentativen Datengrundlage über den Stand der Digitalisierung in den Betrieben und der aktuellen Nutzung digitaler Medien in der Aus- und Weiterbildung sowie die Einschätzung der Bedeutung digitaler Medienformate im Vergleich zu 2015.

Zentrale Ergebnisse der Studie

Die Ergebnisse der Studie zeigen, dass digitale Geräte fast flächendeckend in deutschen Betrieben vorhanden sind. Wie schon 2015 stehen an erster Stelle Desktop-PCs mit Internetzugang. Zusammen mit Smartphones, Laptops mit Internetzugang sowie Tablets nutzen 99 Prozent aller Betriebe Geräte mit Internetzugang (2015: 98%). Bei den Nicht-Nutzern sind es weiterhin in erster Linie Kleinbetriebe mit weniger als 20 Beschäftigten. Nach Branchen betrachtet ist die Nutzung digitaler Geräte in der Finanz- und Versicherungsdienstleistung, im Fahrzeug- und Maschinenbau, der KFZ-Reparatur sowie übrigen unternehmensnahen Dienstleistungen auch 2019 sehr hoch. Im Groß- und Einzelhandel sowie im Baugewerbe gab es keine relevanten Veränderungen gegenüber 2015. In der Beherbergung und Gastronomie werden digitale Geräte anteilsmäßig deutlich weniger genutzt, aber die Intensität hat gegenüber 2015 um drei Prozentpunkte zugenommen.

Digitale Medien in der Ausbildung

Etwa 93 Prozent der Betriebe nutzen mittlerweile auch in der Ausbildung internetfähige Geräte. Der Anteil ist gegenüber 2015 deutlich gestiegen. Finanz- und Versicherungsdienstleister, die insgesamt in der Digitalisierung weit fortgeschritten sind, stehen hier weiterhin an erster Stelle. Wie 2015 sind beim Baugewerbe und in der Beherbergung und Gastronomie digitale Geräte unterdurchschnittlich verbreitet.

Auch 2019 spielen klassische, nicht digitale Medienformate wie Lehrbücher, schriftliche Unterlagen und reale Gruppenarbeit für die betriebliche Ausbildung die wichtigste Rolle. Erst an fünfter Stelle folgt als wichtigstes digitales Medienformat fachspezifische Software, etwa gleichbedeutend mit der Rolle des Präsenzunterrichtes im Betrieb.

In der Summe ist gegenüber 2015 ein Bedeutungsgewinn bei digitalen Medienformaten zu erkennen. Am deutlichsten hat die Nutzung von Wikis und Webinaren zugenommen. Lernplattformen und Lernmanagementsysteme oder Simulationen und die Nutzung von VR-Brillen sind weniger wichtig. Auch Serious Games und AR-Formate haben eine eher geringere Bedeutung. Deren Herstellung und Beschaffung sind zu kostenintensiv, die kontinuierliche Aktualisierung zu zeitaufwendig.

Weiterbildungsbedarf

Beim betrieblichen Ausbildungspersonal sehen zwei Drittel der Betriebe Weiterbildungsbedarf, insbesondere im Umgang mit Datensicherheit und Datenschutz und beim Einsatz digitaler Medien in der Ausbildung. Der Weiterbildungsbedarf, den die Betriebe in dieser Beschäftigtengruppe sehen, ist insgesamt um 14% gestiegen.

Gestaltung der Lernortkooperation

Während 2015 das Thema Lernortkooperation zwischen Betrieb, überbetrieblichen Bildungsstätten und Berufsschule nicht Teil der Erhebung war, wurde 2019 explizit nach der Gestaltung der Lernortkooperation gefragt.

Die kommunikativ-organisatorische Gestaltung der Lernortkooperation findet größtenteils über klassische Kommunikationskanäle wie persönliche Treffen, Briefe oder Telefon statt. Mit Ausnahme von E-Mail werden digitale Medien vergleichsweise selten eingesetzt. In Bezug auf Ausbildungsinhalte stimmen sich die Lernorte eher weniger ab. Die Entwicklung gemeinsamer Lehr- und Lernmaterialien ist selten. Lernortkooperation findet hauptsächlich zum Informationsaustausch und eher spontan und anlassbezogen statt.

Bisher ist es nicht gelungen, die Lernortkooperation mithilfe einer „digitalen Brücke“ qualitativ und quantitativ zu optimieren. Dies verweist bei näherer Betrachtung auf die inzwischen bekannten Defizite in der technischen Infrastruktur der Lernorte (insbesondere der Berufsschulen, aber auch der KMU) und die mangelnde medienpädagogische Kompetenz des Bildungspersonals an den Lernorten. Die Möglichkeiten des orts- und zeitunabhängigen Lernens mittels digitaler Endgeräte sowie der digitalen Verknüpfung arbeitsprozessorientierter Ausbildung (in den Betrieben) mit dem noch eher fachsystematisch ausgerichteten Unterricht (an den Berufsschulen) werden kaum genutzt.

Herausforderungen bei der Digitalisierung

Die Mehrheit der Betriebe verfügt inzwischen über eine ausreichende technische Infrastruktur hinsichtlich Internetgeschwindigkeit und WLAN. Netzwerkprobleme sind eine kleinere Hürde als noch vor vier Jahren.

Beim Einsatz digitaler Medien in der Aus- und Weiterbildung stehen Aufwand und Ertrag allerdings noch in einem ungünstigen Verhältnis. Zu wenig Zeit und fehlende Personalressourcen werden als größere Hindernisse genannt. Die Erstellung von betriebsspezifischer Lernsoftware erscheint als zu aufwendig.

Der wichtigste Grund, weshalb digitale Lerninhalte nicht erstellt werden, ist das fehlende medienpädagogische Know-how des Ausbildungspersonals. Hier gibt es noch einen erheblichen Unterstützungs- und Qualifizierungsbedarf.

Weitere Informationen

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Eine Folgeuntersuchung

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