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Ausbildungsbilanz: Sozialpartner appellieren an Unternehmen und junge Menschen

16.12.2020

Anlässlich der vom Bundesinstitut für Berufsbildung (BIBB) vorgelegten Bilanz für das Ausbildungsjahr 2020 appellieren Arbeitgeberpräsident Rainer Dulger und der DGB-Vorsitzende Reiner Hoffmann gemeinsam an Unternehmen, Ausbildungsplätze anzubieten und an junge Menschen, sich auf Ausbildungsplätze zu bewerben.

Ausbildungsbilanz: Sozialpartner appellieren an Unternehmen und junge Menschen

Die Sicherung der Ausbildung von jungen Menschen sei am Übergang von der Schule in die Arbeitswelt trotz der Corona-Krise für die Arbeitgeber wie für die Gewerkschaften von entscheidender Bedeutung, so Dulger und Hoffmann in ihrem gemeinsamen Appell. "Wir stehen hier gemeinsam in der Verantwortung. Der Weg auch dieser jungen Generation mit den erschwerten Bedingungen des Corona-Jahres 2020 in gute und qualifizierte Arbeit muss jetzt beginnen. Der Weg der Unternehmen aus der pandemiebedingten Krise heraus kann nur mit ausreichend Fachkräften in Industrie, Handel und Handwerk gelingen." so der Arbeitgeberpräsident und der DGB-Vorsitzende weiter. Die beiden weisen darauf hin, dass der Beginn einer Ausbildung auch im Dezember und in den Folgemonaten noch möglich und im Corona-Jahr auch nicht ungewöhnlich sei.

An junge Menschen ohne Ausbildungsplatz appellieren sie: "Schaut jetzt noch einmal aktiv nach einem Ausbildungsplatz! Greift die Vermittlungsangebote der Bundesagentur für Arbeit auf! Das kann auf digitalem Wege passieren oder mit Hilfe vor Ort."

An Unternehmen richten der DGB-Vorsitzende und der Arbeitgeberpräsident die Forderung, weiterhin Ausbildungsplätze anzubieten und sich aktiv in die Nachvermittlung einzuschalten, um freie Plätze jetzt noch zu besetzen.

DGB warnt vor Langzeitschäden für berufliche Bildung

Strukturelle Änderungen in der Ausbildung forderte die stellvertretende DGB-Vorsitzende Elke Hannack. Die Corona-Krise drohe Langzeitschäden auf dem Ausbildungsmarkt zu hinterlassen. Schon im Jahr 2020 sei das Minus mit 11 Prozent bei den neuen Ausbildungsverträgen stärker als in der globalen Finanzkrise 2009 (-8,4 Prozent). Alle Vorzeichen zeigten schon jetzt, dass das Ausbildungsjahr 2021 kaum besser werde. Vor allem junge Menschen mit niedrigen oder mittleren Schulabschlüssen sowie Jugendliche aus Einwandererfamilien drohten zu den Verlierern der Krise zu werden.

Das Bundesprogramm "Ausbildungsplätze sichern" mit seinen Ausbildungsprämien könne zwar als Erste Hilfe dienen, es setze aber nur an den Krisensymptomen an. "Wir brauchen in der Ausbildung strukturelle Änderungen. Nötig ist eine Ausbildungsgarantie nach dem Vorbild Österreichs, die den Jugendlichen, die keinen betrieblichen Ausbildungsplatz bekommen, den Einstieg in das erste Ausbildungsjahr in einer außerbetrieblichen Ausbildung bietet. Das ist allemal besser, als die Jugendlichen durch die zahllosen Warteschleifen im Übergangsbereich zu schleusen." so Hannack.

(Quellen: Meldungen des DGB vom 15.12.2020)

Weitere Informationen

Der Journalist Dr. Jan-Martin Wiarda hat mit Volker Born, Abteilungsleiter Berufliche Bildung beim Zentralverband des Deutschen Handwerks (ZDH), und Matthias Anbuhl, Leiter der Abteilung für Bildungspolitik und Bildungsarbeit beim Bundesvorstand des Deutschen Gewerkschaftsbundes (DGB), darüber gesprochen, warum das nächste Jahr noch schwieriger werden dürfte und wie Deutschlands berufliche Bildung einen weiteren Substanzverlust vermeiden kann. Sie finden das Interview unter www.jmwiarda.de/2020/12/15/das-ist-es-längst-noch-nicht-gewesen/

auf foraus.de: Elf Prozent weniger Ausbildungsverträge in 2020

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