Auf Lernschwierigkeiten und Verhaltensauffälligkeiten eingehen
Der
Leistungsstand von Auszubildenden kann sehr unterschiedlich sein. Es gibt
leistungsstarke, durchschnittliche und auch leistungsschwache Auszubildende.
Schlechte Ausbildungsergebnisse sind allerdings kein Kündigungsgrund.
Aufgrund der gesetzlichen Ausbildungspflicht ist daher pädagogisches
Handeln erforderlich. Es muss also darüber nachgedacht werden, wo die
Ursachen liegen und mit welchen individuellen Fördermitteln das
Ausbildungsziel erreicht werden soll.
In
welchem Zusammenhang stehen Lernschwierigkeiten und
Verhaltensauffälligkeiten?
Lernschwierigkeiten und Verhaltensauffälligkeiten sind oft miteinander verbunden. Für lernschwache
Auszubildende ist beim Lösen von Aufgaben die Gefahr des Versagens
besonders groß. Um sich davor zu schützen, zeigen häufig Desinteresse und
Unlust. Daher können neben erkennbaren Leistungsdefiziten auch
Verhaltensprobleme ein Hinweis auf Lernschwierigkeiten sein.
Außerdem
können Lernschwierigkeiten und Verhaltensauffälligkeiten auch durch das
Elternhaus oder den Freundes- und Bekanntenkreis bedingt sein. Dabei kann es
sich um Beziehungsprobleme, finanzielle Schwierigkeiten, Suchtprobleme oder
mangelnde Integration bei ausländischen Auszubildenden handeln.
Checkliste
zur Problemanalyse bei Verhaltensauffälligkeiten
- Beschreiben
Sie die Verhaltensauffälligkeiten genau.
Wie
unterscheidet sich das Verhalten von dem der anderen Auszubildenden?
Was ist besonders ungewöhnlich?
Wie ist das Verhältnis zu den anderen Auszubildenden?
Hat sich das Verhalten des Auszubildenden geändert und wenn ja wie?
- Überprüfen
Sie, ob gleichzeitig Leistungsdefizite aufgetreten sind.
Wie haben
sich die Zeugnisnoten und die Noten der Klassenarbeiten in der Berufsschule
entwickelt?
Wie führt der Auszubildende seine Unterrichtsaufzeichnungen und das
Berichtsheft?
Gibt es auffällige Veränderungen in den Bewertungen der praktischen
Übungsaufgaben?
Werden übertragene Aufgaben möglichst sauber und korrekt in der
vorgegebenen Zeit ausgeführt?
- Diskutieren
Sie ihre Beobachtungen im Ausbildungsteam und beziehen Sie auch den
Berufsschullehrer mit ein.
Haben
Ihre Kollegen gleiche oder ähnliche Beobachtungen gemacht?
Gibt es andere oder gegensätzliche Beobachtungen?
Wie verhält sich der Auszubildende in der Berufsschule?
- Beschreiben
Sie Ihr eigenes Verhalten in konkreten Konfliktsituationen mit dem
Auszubildenden.
Wie haben
Sie und Ihre Kollegen auf die Verhaltensauffälligkeiten reagiert?
- Versuchen
Sie, die Ursachen für die Verhaltensprobleme ausfindig zu machen.
Im
Gespräch mit ihren Teamkollegen.
Im Gespräch mit dem Auszubildenden.
Wie verlief sein bisheriger Bildungsweg?
Welche Ursachen macht er für seine Situation verantwortlich?
Entscheiden
Sie, welche Ursachen Sie selbst im Rahmen der Ausbildung bearbeiten können
und bei welchen Sie Hilfe von außen benötigen.
Entwickeln
Sie im Team gemeinsame Handlungsstrategien gegenüber dem Auszubildenden
bzw. Strukturen in der Durchführung der Ausbildung, die sein Verhalten
ändern können.
Welche
Handlungsstrategien sind geeignet, Verhaltensänderungen herbeizuführen?
Um
Lernbeeinträchtigungen zu überwinden muss der Kreislauf von Defiziten,
Misserfolgen und gestörtem Selbstbewusstsein durchbrochen werden. Ein guter
Ansatzpunkt ist die Steigerung des Selbstwertgefühls.
Achten Sie dabei darauf, wie weit die Beeinträchtigungen bereits
ausgeprägt sind:
- Wenn
erste Leistungsdefizite sichtbar werden,
klären Sie ab, wodurch der Auszubildende am Lernen behindert wird.
Entscheiden Sie, ob mit den zur Verfügung stehenden Lernmethoden gefördert
werden kann oder zusätzliche Hilfe benötigt wird.
Vermeiden Sie Methoden, mit denen der Auszubildende schon mal gescheitert
ist.
- Wenn
das Förderangebot als Schikane empfunden und abgelehnt wird,
sollten Sie Ihre Beziehung zu dem Auszubildenden überdenken und versuchen,
ein gegenseitiges Vertrauensverhältnis neu aufzubauen und zu stärken.
- Wenn
größere Wissenslücken auftreten und wenn Sie auch
Konzentrationsstörungen, Vermeidungsverhalten, Schul- und Versagensangst
sowie Stresssymptome wahrnehmen,
sollten Sie einen Psychologen in die Förderplanung einbeziehen, wenn Sie
negative Anzeichen im Verhältnis zu dem Auszubildenden feststellen.
Eine gute Beziehung zwischen Ausbilder und Auszubildendem ist in dieser
Situation besonders wichtig.
- Wenn
die Probleme länger anhalten und auch depressive Stimmungen,
Außenseiterverhalten und psychosomatische Beschwerden hinzukommen,
liegt eine psychische Störung vor. Sie sollten einen Psychologen
einschalten, der weitere Maßnahmen wie z.B. ein Verhaltenstraining oder
eine psychotherapeutische Behandlung vorschlagen kann
Welche
Hilfen von außen können in Anspruch genommen werden?
Wenn Sie
den Eindruck haben, dass die Bewältigung der Lern- und Verhaltensprobleme
Ihre eigenen Kompetenzen und Einflussmöglichkeiten übersteigt, sollten Sie
unbedingt eine Beratungsstelle einschalten. Je nach Problemlage können die
Sozialpsychologischen Dienste, die Drogenberatungsstellen oder die Berufsberatungen der Arbeitsämter weiterhelfen.
Glossar
Lernschwierigkeiten sind das Ergebnis von Lernstörungen, die in vielfältiger Art auf den Auszubildenden einwirken, und ihn am Lernen hindern können. Individuelle Ursache kann eine Lernschwäche sein, die den Erwerb von Kenntnissen und Fertigkeiten hemmt. Es entsteht ein Kreislauf, der laufend neue Probleme aufbaut und damit Leistungsdefizite und Verhaltensauffälligkeiten immer weiter verstärkt.
Bildungseinrichtungen bieten im Rahmen des Benachteiligtenprogramm der Bundesanstalt für Arbeit ausbildungsbegleitende Hilfen an, die individuellen Förderunterricht und sozialpädagogische Betreuung beinhalten.
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