Publikationen
Mittwoch, 27.06.2012
Bildung in Deutschland 2012
Kultusministerkonferenz und BMBF stellen gemeinsam den vierten Bildungsbericht vor
"Der aktuelle Bildungsbericht belegt die hohe Priorität für Bildung in Deutschland und die deutlichen Verbesserungen, die wir in den vergangenen Jahren erreicht haben", betonte Cornelia Quennet-Thielen, Staatssekretärin im Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF). "Dies gilt gerade für diejenigen, die es schwerer haben: Es gibt weniger Kinder und Jugendliche in Risikolagen, weniger junge Menschen ohne schulischen oder beruflichen Abschluss. Und wir geben mehr für Bildung aus als jemals zuvor", so die Staatssekretärin weiter. "Allerdings bleibt es eine wichtige Aufgabe, insbesondere Kinder und Jugendliche, die unter ungünstigen Bedingungen aufwachsen, gezielt zu unterstützen. Wir wollen allen faire Chancen bieten."
Hier einige Daten zu den im Bericht beschriebenen Rahmenbedingungen:
Die Bildungsausgaben sind trotz schwieriger ökonomischer Rahmenbedingungen weiter erhöht worden (2009: 165,6 Mrd. Euro; 2010: 172,3 Mrd. Euro), der Anteil am BIP nahm von 6,9% (2009) auf 7,0% (2010) zu. Trotz leicht positiver Tendenzen wachsen noch immer 29% (2006: 32%) der Kinder und Jugendlichen unter 18 Jahren in mindestens einer Risikolage auf, die mindestens eines der drei Merkmale umfasst: bildungsfernes Elternhaus, Einkommen unter der Armutsgefährdungsgrenze, kein Elternteil berufstätig. Der Anteil junger Menschen mit Migrationshintergrund nimmt stetig zu: Unter den 24-Jährigen sind es 23%, bei den unter 1-Jährigen bereits 35%. In den Schulen ergibt sich aufgrund der Altersstruktur des Personals ein hoher Ersatzbedarf.
Der Bildungsbericht konstatiert einen Anstieg des Bildungsniveaus:
Der Anteil der Schulabgängerinnen und -abgänger ohne Hauptschulabschluss konnte weiter gesenkt werden (2006: 8,0%, 2010: 6,5%). Zugleich werden immer häufiger höherwertige allgemeinbildende Abschlüsse nachträglich erworben. Von den Schulabsolventen haben 2010 49% die Hochschulreife erlangt. Die Flexibilität von Bildungswegen und die Durchlässigkeit von Bildungsgängen im Sekundarbereich I, im Sekundarbereich II sowie von der Berufsausbildung zur Hochschule konnten weiter erhöht werden, sodass damit die Chancen auf einen höheren Bildungsabschluss deutlich verbessert wurden.
Der Bildungsstand der Frauen ist in den letzten Jahrzehnten deutlich gestiegen. Im Gegensatz dazu hat sich der Anteil der jungen Männer ohne beruflichen Abschluss weiter erhöht. Trotz Verbesserungen in den vergangenen Jahren haben Jugendliche und Erwachsene mit Migrationshintergrund nach wie vor einen deutlich niedrigeren Bildungsstand. Unter den 30- bis unter 35-Jährigen verfügen 10% über keinen Hauptschulabschluss und 37% über keinen beruflichen Abschluss.
Als zentrale Herausforderungen nennt der Bildungsbericht:
- Ein steigender Bedarf an Beratung und Begleitung bei der Planung und Gestaltung der individuellen Bildungswege macht eine verstärkte Koordination und Zusammenarbeit zwischen den Bildungseinrichtungen und Bildungsbereichen erforderlich.
- Durch die sich verändernden demografischen Bedingungen müssen die Bildungsinfrastruktur weiter an die regional unterschiedlichen Entwicklungen angepasst und eine regional ausgewogene Bildungsversorgung sichergestellt werden.
- Der Bildungsbeteiligung und dem Bildungserfolg von Kindern und Jugendlichen mit Migrationshintergrund muss weiterhin besondere Aufmerksamkeit geschenkt werden. Wichtigstes Handlungsfeld ist hier eine wirksame und durchgehende Sprachförderung auf der Grundlage einer aussagekräftigen Sprachdiagnostik.
- Da sich die berufliche Bildung in ihrer Grundstruktur und ihren Ausbildungsmöglichkeiten verändert, wird - auch um die Attraktivität beruflicher Bildung zu sichern - zukünftig das Verhältnis von Hochschulen, beruflicher Bildung und Weiterbildung neu überdacht und gestaltet werden müssen.
[Quelle: BMBF Pressemitteilung vom 22.06.2012]
Weitere Informationen
Bundesministerium für Bildung und Forschung BMBF
Hannoversche Straße 28 - 30
D - 10115 Berlin
Telefon: (030) 18 57 - 50 50
Fax: (030) 18 57 - 55 51
www.bmbf.de
E-Mail: information@bmbf.bund.de
Den Bericht sowie weiterführende Materialien und Informationen finden Sie im Internet unter:
www.bildungsbericht.de.
Den seit 2006 alle zwei Jahre erscheinenden Bildungsbericht hat eine unabhängige Wissenschaftlergruppe unter Federführung des Deutschen Instituts für Internationale Pädagogische Forschung (DIPF) erarbeitet. Beteiligt sind das Deutsche Jugendinstitut (DJI), die Hochschul-Informations-System GmbH (HIS), das Soziologische Forschungsinstitut an der Universität Göttingen (SOFI) sowie das Statistische Bundesamt und die Statistischen Ämter der Länder. Der Bildungsbericht mit seiner auf Indikatoren gestützten Gesamtschau ist eine verlässliche Grundlage für Zieldiskussionen wie politische Entscheidungen und sorgt für Transparenz im Bildungssystem.


