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Montag, 14.05.2012

Internationale Aufwertung der dualen Berufsausbildung

Gruppe internationaler Bildungsforscher veröffentlicht Strategiepapier mit gemeinsamen Standards und Forderungen


"Standards für die Gestaltung, Organisation und Steuerung der dualen Berufsbildung“ sind von einer Kommission des internationalen Forschungsnetzwerks Innovative Berufsbildung (INAP) unter Leitung von Professor Felix Rauner, Bildungsexperte der Universität Bremen veröffentlicht worden.


Alarmierende Zahlen bei der Jugendarbeitslosigkeit (in Spanien  46 Prozent, in Italien knapp 30 Prozent) hatten 2011 die Arbeitsminister der G20-Länder veranlasst, einen Katalog zur Bekämpfung der Jugendarbeitslosigkeit vorzulegen. Darin wurde der dualen Berufsbildung besonderes Gewicht zugemessen, da sie der hohen Arbeitslosenquote entgegenwirken könne. In den europäischen Ländern sind allerdings die Standards in der dualen Berufsausbildung äußerst unterschiedlich. In Ländern mit hohen Standards, wie etwa der Schweiz, ist die Jugendarbeitslosigkeit kaum ein Problem.
 
Eine Gruppe internationaler Bildungsforscher hat vor diesem Hintergrund ein gemeinsames Memorandum mit internationalen „Standards für die Gestaltung, Organisation und Steuerung der dualen Berufsbildung“ veröffentlicht. Erarbeitet wurde es von einer Kommission des internationalen Forschungsnetzwerks Innovative Berufsbildung (INAP) unter Leitung von Professor Felix Rauner, Bildungsexperte der Universität Bremen. 
 
Gefordert wird von den Bildungsforschern u. a. auch die Einführung breitbandiger „Kernberufe“. Sie seien eine wichtige Voraussetzung zur Erhöhung der Attraktivität der beruflichen Bildung. Die Zahl der Ausbildungsberufe kann nach diesem Konzept deutlich reduziert werden. Eine Größenordnung von ca. 250 Kernberufen könnte die Flexibilität des Arbeitsmarktes und die Mobilität der Fachkräfte verbessern. Dadurch entstehen stabilere Berufe, eine Erleichterung bei der Berufsorientierung von Schülern. Kernberufe sind darüber hinaus eine wesentliche Voraussetzung für die Entwicklung beruflicher Identität und darauf basierendem Verantwortungsbewusstsein. Der in vielen Ländern viel zu weitgehenden Spezialisierungen der Berufsentwicklung kann so entgegengewirkt werden. 
 
Duale Berufsbildung gelinge nur mit funktionierender „Lernortkooperation“. Das Zusammenspiel zwischen dem Lernen im Betrieb und in beruflichen Schulen sei allerdings nur erfolgreich zu realisieren, wenn die Steuerung der Systeme „aus einer Hand“ gegeben ist. Darüber hinaus plädieren die Bildungsforscher für parallele Bildungswege mit einem durchgängigen dualen Bildungsweg bis hin zur Promotion. Dann können sich zum Beispiel Meister in einem dualen Masterstudiengang weiterbilden. Nur so könne die seit Jahrzehnten geforderte Durchlässigkeit zwischen beruflicher und hochschulischer Bildung wirksam gestaltet werden.
 
In drei Kapiteln, „Kriterien einer modernen dualen Berufsbildung“, „Steuerung dualer Berufsbildungssysteme“ und „Struktur und Entwicklung beruflicher Curricula“ werden insgesamt zwanzig Standards formuliert und begründet. Die Kommission hat sich in ihrer Arbeit auch von den Beispielen guter Berufsbildungspraxis in Ländern wie Deutschland und der Schweiz leiten lassen. „Ich bin sicher“, so Professor Rauner, „dass diesen Standards auch für die Modernisierung der beruflichen Bildung in Deutschland eine wegweisende Bedeutung zukommt.“


Das Memorandum liegt auf Deutsch und Englisch vor und kann per Mail angefordert werden: E-Mail innovative-apprenticeship@uni-bremen.de 


[Quelle: Pressemitteilung der Universität Bremen 157 / 9. Mai 2012]


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Weitere Informationen

Logo International Network on Innovative Apprenticeship – INAPUniversität Bremen
FG Berufsbildungsforschung (I:BB)
Prof. Dr. Felix Rauner
Tel. 0421 218 62632
E-Mail: rauner@uni-bremen.de
 
http://www.ibb.uni-bremen.de/

Informationen zu:
International Network on Innovative Apprenticeship – INAP