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Mittwoch, 09.05.2012

DGB: Viele Betriebe sind nicht ausbildungsreif

DGB Expertise zum Berufsbildungsbericht 2012


Betriebe, die in Berufen ausbilden, die einen hohen Anteil unbesetzter Ausbildungsplätze haben, sind oft nicht ausbildungsreif. Zu diesem Ergebnis kommt eine DGB-Expertise zum Berufsbildungsbericht 2012, der heute, am 09.05.2012, im Bundeskabinett beschlossen wird.


Spitzenverbände der Wirtschaft beklagen oft eine „mangelnde Ausbildungsreife“ der Jugendlichen. Der DGB vermisst allerdings in der Debatte einen systematischen Blick auf die „Ausbildungsreife der Betriebe“. Betrachte man genauer den  Berufsbildungsbericht 2012, falle auf, dass es erhebliche Ungleichgewichte auf dem Ausbildungsmarkt gibt. Einige Berufe waren sehr gefragt und die Betriebe dieser Branchen hatten nahezu keine Rekrutierungsprobleme. Dagegen gab es bei den Berufen Restaurantfachmann/-frau, Fachmann/-frau für Systemgastronomie, Klempner/- in, Fachverkäufer/-in im Lebensmittelhandwerk, Fleischer/-in und Gebäudereiniger/-in erhebliche Schwierigkeiten die Ausbildungsplätze zu besetzen.

Die vom DGB jetzt veröffentlichte Expertise hat die Ausbildungsqualität und die Attraktivität in den Berufen mit hohen Besetzungsproblemen untersucht. Dabei wurden die Unterschiede zwischen den Ausbildungsberufen mit einer hohen Zahl unbesetzter Plätze im Vergleich zum Durchschnitt aller Ausbildungsberufe herausgearbeitet. Als Messgrößen dafür wurden folgende Faktoren verwendet: Die Quote der vorzeitigen Auflösung von Ausbildungsverträgen, die Ausbildungsvergütung,  die Misserfolgsquote bei den Abschlussprüfungen sowie die Ausbildungsqualität aus Sicht der Auszubildenden.
 
Das Ergebnis der Expertise: Alle Ausbildungsberufe mit einem hohen Anteil an unbesetzten Plätzen befinden sich seit Jahren konstant in der Gruppe mit den höchsten Quoten der vorzeitigen Vertragslösungen. Dies deute auf branchenspezifische Probleme hin.
 
Weiterhin zeigten sich beträchtliche Unterschiede in der Höhe der Ausbildungsvergütungen. Ausbildungsberufe, in denen die Vergütung zum Teil weit unter dem Durchschnitt liegt, haben mehr Rekrutierungsprobleme.
 
Die Quote der nicht bestandenen Abschlussprüfungen lag bei nahezu allen Ausbildungsberufen mit einem hohen Anteil unbesetzter Plätze deutlich über dem Durchschnitt. Ganz besonders treffe das auf  die Berufe Gebäudereiniger/-in, Koch/Köchin, Fachmann/-frau für Systemgastronomie, Bäcker/-in sowie Klempner/-in zu. Die Zahl der nicht bestandenen Abschlussprüfungen übersteige dort den Durchschnitt um mehr als das Doppelte. 

In einem jährlich erscheinenden Ausbildungsreport der DGB-Jugend (Ausbildungsreport 2011) wurden Jugendliche der 25 am stärksten besetzten Ausbildungsberufen (nach BIBB) zu Aspekten der Ausbildungsqualität befragt. Auffällig sei: Die Berufe Restaurantfachmann/-frau, Fachverkäufer/-in im Lebensmittelhandwerk sowie Koch/Köchin,  alle drei gekennzeichnet durch hohe Problemen bei der Besetzung von Ausbildungsplätzen, befanden sich am Ende der Skala. Laut DGB könne nur eine konsequente Orientierung am Jugendarbeitsschutz und damit deutliche Verbesserungen bei den Ausbildungszeiten und Überstunden die Attraktivität dieser Ausbildungsberufe deutlich erhöhen.
 
Der DGB zieht folgendes Fazit: In diesen Berufen gibt es hohe Abbrecherquoten, geringe Ausbildungsvergütungen sowie hohe Misserfolgsquoten bei den Prüfungen. Außerdem schneiden die Berufe in der Bewertung der Auszubildenden  (Ausbildungsreport 2011 der DGB-Jugend) schlecht ab. Viele Betriebe in diesen Bereichen sind aus Sicht des DGB daher nicht ausbildungsreif. In diesen Ausbildungsberufen müssten die Betriebe dringend an der Qualität und Attraktivität arbeiten. Wichtig sei auch die kontinuierliche Weiterbildung des Ausbildungspersonals über die Ausbilder-Eignungsverordnung (AEVO) hinaus.


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