ich bilde gerade meinen ersten Azubi zum Bürokaufmann aus. Leider hat sich nun durch zusätzliche Aufgaben und eine Umstrukturierung mein Aufgabengebiet erweitert und das wird wohl auch noch mindestens ein halbes Jahr anhalten.
Dazu kommt noch das mein Arbeitgeber von mir erwartet, dass ich den Berufschulunterricht komplett mit dem Azubi wiederhole und die Stoffe mit ihm nacharbeite.
Nun meine Frage.
1. Wie viel Zeit investiert ihr in die Wiederholung vom Unterrichtsstoff der Berufschule? Ich war mehr von dem praktischen Bereich ausgegangen, natürlich gehören da auch die dazugehörigen Verordnungen/Gesetze/Rechtslagen oder Institutionen dazu. Allerdings habe ich nicht damit gerechnet das ich mich jetzt mit Religion oder Englisch auseinandersetzen soll.
2. Hat jemand Tipps/Buchvorschläge oder eigenes zu vorbereiteten Themen zu Unterweisungen oder Lerneinheiten für den Bürokaufman. Das erste Jahr habe ich das alles selbst schriftlich vorbereitet. Nun wird das zeitlich aber immer schwieriger und ich möchte nicht das mein Azubi wegen meiner schlechten Vorbereitung Nachteile hat.
Ich bin über jeden Tipp oder Erfahrungsbericht sehr dankbar.
Du bist offensichtlich Ausbilderin bzw ausbildende Fachkraft und die Auszubildende befindet sich in Deinem Arbeitsbereich. Deine Aufgabe besteht also darin, der Auszubildenden ausbildungsgerechte Betriebsaufgaben zu übertragen und sie bei der Bearbeitung dieser Aufgaben zu unterstützen. Darin sind auch Kenntnisse und Fertigkeiten integriert, die die Auszubildende in der beruflichen Schule erworben hat.Ich finde es auch sehr gut, dass Du Dich auch um die Leistungen der Auszubildenden in der beruflichen Schule kümmerst. Aber im dualen System hat jeder Lernort seine spezifischen Aufgaben. Deine Aufgabe kann es also nicht sein, eine Art Nachhilfeunterricht zu erteilen. Sollte die Auszubildende aber schlechte Leistungen in der Schule haben, die den Ausbildungserfolg gefährden, dann bemüht Euch doch um abH (ausbildungsbegleitende Hilfen. Ausbildungsberater in der Kammer oder die Arbeitsagentur können Euch beraten, wie Ihr an diese Hilfen kommt.
Noch eins: Gut organisierte ausbildungsgerechte Betriebsaufgaben können Dich entlasten und schaffen so vielleicht Zeitreserven, die Dir ermöglichen, auch mal in die Schule zu gehen und dort mit den Lehrern zu sprechen. Das wäre ein guter Einstieg in eine erfolgreiche Lernortkooperation. Ich wünsche Dir viel Erfolg in Deiner weiteren Arbeit.
Mit den besten Grüßen Helmut
P.S. Suche doch mal im Netz unter den Suchworten Lernortkooperation, Lern- und Arbeitsaufgaben, am Arbeitsplatz ausbilden, ausbildende Fachkräfte usw. usw, da gibt es viele Anregungen
Geändert von martin.pfaff (16.07.2012 um 16:20 Uhr)
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ich bilde Chemielaboranten aus, also was völlig anderes als du. Meine Azubis haben Blockunterricht, der leider auf eine generell verkürzte Ausbildungszeit ausgelegt ist und überwiegend Abiturniveau voraussetzt.
Ich verwende ca. 2-4 Wochenstunden (Maximal 10% der Arbeitszeit) darauf, meine Auszubildenden (Realschulabschluß) auf den kommenden Block vorzubereiten und ca. 2 Arbeitstage nach einem Schulblock, um die Inhalte nochmals intensiv durchzugehen. Dabei konzentriere ich mich auf die wichtigen Fächer (Mathematik, Chemie, Physik). Randfächer wie Religion sind meiner Ansicht nach Sache der Berufsschule. Englisch ist da schon wesentlich wichtiger, aber bitte so, wie es auch im Betrieb verwendet wird (Bedienungsanleitungen und Vorschriften lesen und verstehen, kurze fachliche Auskünfte geben).
Wenn ich mehr Zeit auf die Berufsschulseitigen Ausbildungsinhalte aufwenden sollte, dann kämen ganz schnell die betrieblichen Ausbildungsinhalte zu kurz. Das geht einfach nicht. Wenn sich da riesige Lücken ergeben, muß halt eine externe Hilfe ran. Einige Berufsschulen bieten auch Nachhilfetage an. Vielleicht käme so etwas für deinen Azubi in Frage?
Viele Grüße,
Berit
Geändert von martin.pfaff (18.07.2012 um 11:35 Uhr)
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Ich habe schon einige Zeit darauf verwendet im Internet zu suchen, man findet wirklich viele gute Anregungen und gute Ideen. Was ich jedoch bräuchte wären wirkliche sofort einsetzbare wie schreibst du so schön Helmut "gut organisierte ausbildungsgerechte Betriebsaufgaben" mit denen ich meinem Azubi die zu vermittelnde Fertigkeiten und Kenntnisse beibringen könnte. Da dies mein erster Azubi ist habe ich noch keine und die Ausarbeitung dieser Aufgaben ist zeitintensiv.. oder bin ich zu langsam ;-))
Geändert von martin.pfaff (23.07.2012 um 17:13 Uhr)
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nein, du bist nicht zu langsam. Das ist zu Anfang irrsinnig zeitintensiv, da die Aufgaben ja auf deinen Betrieb zugeschnitten sein müssen. Aber es wird beim 2. Azubi einfacher und spätestens bein 5. Hast du genügend Aufgaben "in der Schublade", dass sich kaum noch Zeitaufwand ergibt. Ich bereite mich gerade auf den 3. Azubi vor und merke, daß ich wieder etwas verfügbare Zeit habe, um nicht nur direkt auf Bedarf Aufgaben zu entwickeln. Der erste Azubi ist einfach wahnsinnig schwer zu betreuen, da es so viele Aspekte gibt, die man berücksichtigen muß. Es wird irgendwann besser, wenn du etwas Übung hast (auch in den höheren Ausbildungsjahren), da du dann einfacher Aufgaben findest und schneller den Überblick bekommst, was gemacht werden soll und welche Eventualitäten auftauchen können.
Nur Mut. Die Zeit, die du jetzt investierst, sparst du später.
Geändert von martin.pfaff (24.07.2012 um 12:34 Uhr)
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