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Thema: Zur Aussetzung der Ausbilder-Eignungsprüfung

  1. #1

    Standard Zur Aussetzung der Ausbilder-Eignungsprüfung

    Meine Damen und Herren Mitstreiter,

    Von Erfolg und Misserfolg: Die Aussetzung der Ausbilder-Eignungsprüfung

    Was wir jetzt schriftlich haben und aus erster Hand!

    Vor vier Jahren hat die damalige Bundesministerin für Bildung und Forschung die Ausbilder-Eignungsprüfung als Nachweis für die fachliche Eignung von Ausbilderinnen und Ausbildern bis 2008 ausgesetzt.
    Wir haben diese Maßnahme damals hier in foraus.de heftig kritisiert und viele Ausbilderinnen und Ausbilder haben sich danach meinem Protestbrief an die Ministerin angeschlossen - ohne Erfolg, wie wir schmerzlich erfahren mussten.
    Auch meine Petition an den Bundestag hat zwar einigen Wirbel ausgelöst, aber schließlich doch keinen Erfolg gebracht.
    Zur Zeit evaluiert das BMBF die Maßnahme mit Hilfe einer Befragung u.a. von Ausbilderinnen und Ausbildern.
    Der Hauptausschuss des BIBB bestätigt jetzt eindrucksvoll unsere damaligen Befürchtungen. In seiner Stellungnahme zum Berufsbildungsbericht der Bundesregierung fordert er:

    "Das Wieder-In-Kraft-Setzen der AEVO ist dringend geboten"

    Diese Feststellung erfüllt mich mit Genugtuung. Ob jedoch der bisher entstandene Schaden damit wieder gutzumachen ist, darf man zumindest bezweifeln, denn die Zahlen der Befreiungen von der AEVO haben sich in den Jahren 2004 und 2005 im Vergleich zum Ausgangsjahr 2003 verzehnfacht. Das bedeutet, dass jährlich ca. 150.000 so genannte Ausbilder von der Ausbilder-Eignungsprüfung befreit wurden. (Nachzulesen sind die Zahlen im Anhang zum Berufsbildungsbericht)
    Nicht nur der erhoffte Zuwachs an Ausbildungsplätzen blieb aus. Wer glaubt denn daran, dass die ohne Ausbilder-Eignungsprüfung zugelassenen Ausbilderinnen und Ausbilder sich später doch noch qualifizieren müssen? Niemand! Sie werden möglicherweise noch Jahrzehnte als Amateure ihres Gewerbes Jugendliche auf eine immer schwieriger werdende Berufs- und Arbeitswelt vorzubereiten vorgeben.
    Die Bundesregierung hat dem Berufsbildungssystem nicht wieder gutzumachenden Schaden zugefügt.

    Einen Auszug aus der Stellungnahme des BIBB-Hauptausschusses zum Berufsbildungsbericht finden Sie unter "Texte zum Herunterladen" auf meiner privaten Website: www.adalbert-ruschel.de.
    Adalbert Ruschel
    Professor i.R. Georg-Simon-Ohm-Hochschule Nürnberg
    Autor und Ko-Autor von Büchern und Buchbeiträgen zur beruflichen Bildung

  2. #2
    Registriert seit
    04.06.2007
    Beiträge
    6

    Standard

    Amen zu Ihrer Ausführung, Herr Professor!

    Ich bin selbst Ausbilder seit 1989. Seinerzeit war mein AdA-Lehrgang ein "Krückstock", da der erstrebte Weiterbildungslehrgang aus Mangel an Teilnehmern nicht zu Stande kam, der Arbeitgeber jedoch keinen Ausbilder im kaufmännischen Bereich vorzuweisen hatte. Aus heutiger Sicht bin ich dankbar, mich damals für die Teilnahme entschieden zu haben.

    Ich kann nicht behaupten, die Lerninhalte 1:1 umsetzen zu können. Diese Problematik wird auch an anderen Stellen im Forum angesprochen. Man hat mir jedoch eine Grundhaltung mit auf meinen Weg gegeben, die sich aus meiner sehr persönlichen Sicht auch positiv über den reinen Ausbildungsbereich hinaus bemerkbar gemacht hat.

    Ganz unabhängig von den Grundkenntnissen, die vermittelt wurden! Dass natürlich ein Learning-by-Doing folgte, sollte nicht überraschen. Aber ist das nicht überall so?

    Ich sehe gerade heute im eigenen Betrieb, wie nötig die erworbenen Kenntnisse sind und dass dies eben eine Festigkeit mit sich bringt, die auch geeignet ist, Probleme zu überwinden. Eine neue Geschäftsleitung (seit ca. einem Jahr) weist der kaufmännischen Ausbildung nur noch eine Nebenrolle zu. Gerade für die talentierte junge Frau, die ich im 2. Ausbildungsjahr betreue, ist das eine einzige Katastrophe. Unter anderen Umständen hätte ich ihr im Unternehmen eine sehr gute Zukunft prophezeit. So wende ich außerhalb der Arbeitszeit (während wird nicht mehr gestattet!) einiges an Zeit auf, um die von ihr gewünschten, weiterführenden Lerninhalte zu vermitteln. Ich bin mir selbst gegenüber ehrlich genug, dass der Andreas Schneider früherer Jahre so nicht vorgegangen wäre. Wie das mit mit "Ausbildern" ohne jede Qualifikation aussieht, lasse ich dahingestellt. Gerade in der jetzigen Situation erkenne ich eben Vieles von dem wieder, was man mir vor nunmehr 18 Jahren mit auf meinen Weg gegeben hat.

    Ich kann jedem/r nur raten, einen AdA-Lehrganz zu besuchen, unbhängig von dem wetterwendischen, politisch orientierten Aktionismus. Wir tun den jungen Menschen am Anfang ihres Berufslebens keinen Gefallen und damit auf lange Sicht auch den "Ausbildungsbetrieben" nicht. Und wem das nicht genug ist, sollte sich vor Augen halten, dass es auch für sich selbst eine Profilierung bedeutet.


    Andreas Schneider

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